Ravensburg mit Aussicht
Liebe Leserinnen und Leser,
stellen Sie sich vor, es gäbe ein Computerprogramm namens „Ravensburger Intelligenz“ (RI). Ein Programm, das wir nicht nur mit den einschlägigen SZ‑Artikeln und den offiziellen Verlautbarungen der Stadtverwaltung "füttern" könnten, sondern auch mit dem, was wir alle längst wissen: die ständigen Konzeptwechsel, die chronische Bürgerferne, die Sparmaßnahmen an Stellen, die niemandem wehtun sollten, und die Investitionen an Stellen, die niemand versteht. Gemeint sind damit die Bau- und Sanierungsprojekte und andere unverständliche Dinge, die man/frau als Transferierung von Steuergeldern in die Bauwirtschaft bezeichnen könnte.
RI wäre also eine Art digitaler Spiegel, der uns zeigt, was die Stadt in der zurückliegenden Dekade getan hat — und was sie in den kommenden zehn Jahren wahrscheinlich wieder tun wird, weil sie es seit Jahren tut. Allerdings - auch RI kann - wie auch die KI - Fehler machen.
1. Die OSH – das Dauerprojekt ohne Bürgerstimme
RI erkennt: Die Stadt hat über Monate hinweg immer wieder, permanent und fast schon impertinent ein Konzept präsentiert, aber nie echte Bürgerbeteiligung zugelassen. Die Petition mit mittlerweile 750 Unterschriften (und das ohne "Werbung" der SZ wie im Falle des Weingartner-Altars) wurde ignoriert. Die SZ hat weder die Bürger-Kritik noch die Petition aufgegriffen. Die Verwaltung hat weitergemacht wie immer.
RI berechnet daraus:
2. Das Kornhaus – das Denkmal der städtischen Selbstüberschätzung„Die OSH wird auch in Zukunft nicht das (bleiben), was die Bürger wollen, sondern das, was die Verwaltung gerade opportun findet.“ Tja, wenn da nicht das Angstwort "Demokratie" wäre, steht da auf dem Ausgedruckten, was bedeutet: es kann auch anders kommen!
RI erkennt: Die Stadt hat ein Gebäude, das seit Jahren Kosten verursacht, aber keine klare Vision hat. Die SZ berichtet über „Chancen“, die Bürger sehen „Kosten“. Die Verwaltung sieht „Potenzial“, das Budget sieht „Schmerzen“.
RI berechnet:
3. Der Winterdienst – das jährliche Überraschungsei„Das Kornhaus bleibt ein Projekt, das mehr Geld verschlingt als es Ideen hervorbringt.“
RI erkennt: Jedes Jahr dieselbe Überraschung: Der Winter kommt, die Stadt ist überrascht. Die Bürger rutschen, die Verwaltung erklärt. Die SZ schreibt über „Herausforderungen“.
RI berechnet:
4. Die Sparmaßnahmen – das stille Drama der kleinen Dinge„Der Winterdienst bleibt ein Ritual der Improvisation.“
RI erkennt: Hundekotbeutel weg. Blumenkübel weg. Beete weg. Pflege weg. Begründungen wechseln. Transparenz fehlt.
RI berechnet:
5. Die SZ – das atmosphärische Sprachrohr„Die Stadt spart weiterhin dort, wo es symbolisch ist — und investiert dort, wo es teuer ist.“
RI erkennt: Die SZ berichtet zuverlässig das, was die Verwaltung sagt. Sie berichtet selten über das, was die Bürger sagen. Sie berichtet nie darüber, was die Bürger fühlen.
RI berechnet:
Was RI für die Dekade bis 2037 prognostiziert – jetzt korrekt, konkret, lebendig„Die SZ bleibt ein Medium, das Nähe zur Verwaltung pflegt und Distanz zu Bürgern.“
RI arbeitet nicht mit Phantasie, sondern mit Mustern, die sich in Ravensburg seit Jahren wiederholen. Und diese Muster sind so stabil, dass RI daraus eine erstaunlich präzise Zukunftsprognose erstellen kann.
RI würde mit 99,8 % Wahrscheinlichkeit vorhersagen, dass in den kommenden zehn Jahren mindestens 27 große Bau- und Sanierungsprojekte angekündigt werden, die zunächst „kosteneffizient“, „bürgernah“ und „alternativlos“ sind.
Nach sechs Monaten würden die Kosten steigen. Nach einem Jahr wären sie um 50 Prozent gestiegen. Nach zwei Jahren wären sie doppelt so hoch und die SZ würde schreiben: „Die Stadt hat das Projekt erfolgreich gestemmt.“
RI würde dazu ausgeben:
1. Die OSH wird mindestens fünf weitere Konzeptwechsel erleben„Ravensburger Methode bestätigt.“
Nicht erfunden — sondern logisch. RI prognostiziert:
neue Nutzungsideen,
neue „alternativlose“ Entscheidungen,
neue Kostensteigerungen,
neue Kommunikationsstrategien,
weiterhin keine echte Bürgerbeteiligung.
RI:
2. Das Kornhaus wird weiterhin Geld kosten, ohne klare Vision„Die OSH bleibt ein Projekt, das sich selbst erklärt — aber nie den Bürgern.“
RI prognostiziert:
weitere Sanierungsphasen,
weitere Kostensteigerungen,
weitere „Potenzialberichte“,
weiterhin keine klare Nutzung.
RI:
3. Der Winterdienst bleibt ein jährliches Improvisationstheater„Das Kornhaus bleibt ein Denkmal der städtischen Unentschlossenheit.“
RI prognostiziert:
neue Überraschungen,
neue Erklärungen,
neue „Herausforderungen“,
weiterhin keine nachhaltige Lösung.
RI:
4. Die Sparmaßnahmen werden sich fortsetzen — aber an den falschen Stellen„Der Winterdienst bleibt ein Ritual, das sich jährlich wiederholt — wie ein schlecht geprobtes Theaterstück.“
RI prognostiziert:
weitere symbolische Einsparungen,
weitere Kürzungen bei Pflege und Grün,
weitere Erklärungen, die nicht überzeugen,
weiterhin Investitionen in teure Prestigeprojekte.
RI:
5. Die SZ bleibt atmosphärisch nah an der Verwaltung„Die Stadt spart dort, wo es sichtbar ist — und investiert dort, wo es teuer ist.“
RI prognostiziert:
weiterhin harmonische Berichterstattung,
weiterhin wenig kritische Distanz,
weiterhin wenig Bürgernähe.
RI:
6. Die Klimapolitik bleibt widersprüchlich„Die SZ bleibt ein Medium, das die Verwaltung versteht — aber nicht die Bürger.“
RI prognostiziert:
neue Klimaversprechen,
neue Baumfällungen,
neue Grünflächenverluste,
neue Erklärungen,
weiterhin wenig echte Umsetzung.
RI:
7. Die Bürgernähe bleibt ein Begriff, kein Verhalten„Die Klimapolitik bleibt ein rhetorisches Projekt — kein praktisches.“
RI prognostiziert:
neue digitale Beteiligungsformate,
neue reale Distanz,
neue Kommunikationskampagnen,
weiterhin wenig echte Nähe.
RI:
Das Fazit der RI„Die Bürgernähe bleibt ein Wort, das die Stadt gerne benutzt — aber selten lebt.“
„Ravensburg 2027–2037: Die Zukunft wird der Vergangenheit ähneln, solange die Gegenwart schweigt und die Verwaltung glaubt, dass das Wort "Bürgernähe" allein schon Atmosphäre schafft.“
Und:
"Die Ravensburger Zukunft wird der Vergangenheit ähneln, sofern niemand die Gegenwart verändert.“
Und:
Es wäre nicht gerade überraschend, wenn auch in Ravensburg das Ventil platzt und heftige Proteste sich auf die Straße verlagern. Die Politik provoziert es geradezu!